Jakobus der Ältere

Jakobus war der Sohn des Fischers Zebedäus und der Salome sowie der ältere Bruder des Jüngers Johannes. Jesus gab den zwei Brüdern wegen ihres Eifers den Beinamen Boanerges, Donnersöhne (Markus­evangelium 3, 17). Jakobus zählte neben seinem Bruder und Petrus zu den drei bevorzugten Jüngern, die bei der Verklärung Jesu und in seiner Todesangst im Garten Gethsemane zugegen waren. Der Überlieferung nach verkündete er nach Pfingsten in der Gegend um Samaria – dem heutigen Shomron / / Sabastiyah – und Jerusalem das Evangelium, bis er durch König Herodes Agrippa I. von Judäa im Jahr 43 enthauptet wurde; Jakobus war somit der erste Märtyrer unter der Aposteln (Apostel­geschichte 12, 1 – 2).

Legenden berichten vom Zauberer Hermogenes, den Jakobus überwand, von Dämonen befreite und dessen Zauberbücher er dann ins Meer werfen ließ. Auf seinem Wege zur Richtstätte heilte Jakobus einen Lahmen und bat den Henker um eine Flasche Wasser, damit er Josias, der ihm den Strick umgelegt hatte und sich ebenfalls auf dem Hinrichtungsplatz bekehrte, taufen könne; auch Josias wurde daraufhin mit Jakobus enthauptet.

Andere Legenden berichten von der Einkehr eines Ehepaars aus Xanten auf ihrer Pilgerfahrt. Zusammen mit ihrem Sohn machten sie Rast in einem Wirtshaus in Santo Domingo de la Calzada; weil dieser Sohn die ihm angetragene Tochter des Wirtes nicht zur Frau nehmen wollte, steckte der Wirt – oder die Tochter selbst – ihm heimlich einen Silberbecher in den Rucksack, damit er für den angeblichen Diebstahl gehenkt werde. Als dies erfolgte, hielt Jakobus den am Strick Hängenden hoch, damit er unversehrt blieb; die Eltern kamen an die Richtstätte, fanden den Sohn noch lebend und konnten ihn vom Galgen nehmen. Vor dem ob solch eines Wunders ungläubigen Richter flog das Brathuhn vom Teller als Beweis, dass Tote tatsächlich lebendig werden können; der Richter erkannte sein Fehlurteil, nun wurde der betrügerische Wirt gehenkt.

Spanische Darstellungen erzählen ebenfalls zahlreiche Wunder: den Steinblock, der sich von selbst als Sarkophag für Jakobus schloss und den Wagen mit den wilden Rindern, die den Sarkophag an die Stelle fuhren, wo später die Wallfahrtskirche in Compostela gebaut wurde.

In Jerusalem steht die Jakobskirche angeblich an der Stelle seines Martyriums. Im Jahr 70 seien seine Gebeine auf den Horeb / Sinai ins Jakobskloster, das heutige Katharinenkloster, gebracht worden.

In Spanien verbreitet ist die Überlieferung, dass Jakobus dort gleich nach der Himmelfahrt Christi gepredigt und Jünger geworben habe mit der Prophezeiung, dass er nach seinem Tod dort Unzählige bekehren werde. Das Grab soll vergessen worden sein, bis sich Jakobus dem Eremiten Pelayo auf dem so genannten Sternenfeld, spanisch Compostela, offenbarte. 813 wurde dort mit dem Bau eines Wallfahrtzentrums begonnen, am 25. Juli 816 – daher der Gedenktag – Jakobus‘ Reliquien in der neuen Kirche beigesetzt. Die Entdeckung des Grabes fiel in eine Zeit, in der sich die nordspanische Kirche mit ihrem Bischof Theodemir gegen die westgotische Kirche von Toledo profilieren wollte, er legte den Grundstein für die Jakobskirche; aus diesem Ort entwickelte sich Santiago de Compostela, das bald zu einem Eckpfeiler des mittel­alter­lichen Europa wurde. Im Zuge der Reconquista, der Rückeroberung Spaniens von den arabischen Besatzern, fiel Jakobus eine neue Rolle zu: Er galt jetzt als Santiago Matamorus, als berittener Schlachtenhelfer und Maurentöter. In der Schlacht von Clavijo 844 überwand Jakobus demnach, auf dem Pferd voranstürmend, mit den Seinigen die Mauren. Er soll auch schon in die Schlachten Karls des Großen eingegriffen haben.

Vom 11. Jahrhundert an wurde Santiago zu einem der größten Wallfahrtszentren des Abend­lan­des, durch ganz Europa führten feste Wallfahrtswege dorthin. 1128 wurde die heutige Kathedrale eingeweiht, die im 18. Jahrhundert einen barocken Mantel erhielt. Seit 1122 gilt jedesmal, wenn der Gedenktag auf einen Sonntag fällt, das Jahr als Heiliges – so wieder im Jahr 2010 – und die Wall­fahrer erhalten voll­kommenen Ab­lass aller Sünden­strafen. Im Heiligen Jahr 2004 wurden zwölf Millionen Besucher gezählt, die durch die Heilige Pforte der Vergebung an der Ostseite der Kathedrale gingen; für 2010 werden noch mehr Pilger aus allen Ländern erwartet. Das nächste Heilige Compostelanische Jahr findet dann 2021 statt.

Bis ins 15. Jahrhundert zog der Ort mehr Pilger an als Rom oder Jerusalem. In Skandinavien nannte man Spanien zu jener Zeit Jakobsland. Die Pilger auf dem Camino, dem Jakobsweg, erhielten am Ziel damals eine Muschel, mit der sie dann ihren Pilgerhut zierten. 1504, nach dem Ende der Reconquista, wurde die Universität gegründet, die heute zu einer der größten in Europa gehört.

Diese Wallfahrt ist als touristisches Erlebnis wieder modern geworden. Aber viele Menschen machen die Pilgerreise auch auf der Suche nach erlebter Spiritualität oder nach sich selbst zeitaufwändig zu Fuß, per Fahrrad oder auf dem Pferd. Wer wenigstens 100 km zu Fuß oder 200 km mit dem Fahrrad hinter sich gebracht hat, erhält im Pilgerbüro die ersehnte Urkunde; 120.000 der jähr­lich 10 Millionen Touristen kommen so als Pilger. Über den Pilgern schwingt zum Schluss mancher Gottes­dienste ein riesengroßer Weihrauchkessel durch die Kirche. Der 25. Juli wird als Höhepunkt mit einem großen Feuerwerk begangen.

Auch der Gedenktag an die angebliche Überführung der Gebeine von Iria Flavia – dem heutigen Padrón – in sein Grab unter der heutigen Kathedrale, der 30. Dezember, wird in Santiago groß gefeiert; der spanische König oder ein von ihm entsandter Vertreter bringt die ofrenda dar, d.h., er drückt den Dank und die Verehrung in einer Rede an den Apostel aus.

Am Jakobstag brachten Bauern die ersten reifen Äpfel zur Segnung, oft war dies ein Markttag. Als billigen Jakob bezeichnet man einen Händler, der an solchen Märkten seine Waren günstig verkauft. In Österreich und Südtirol tragen 11 Orte seinen Namen.

Quelle

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: