Monatsarchiv: August 2010

12. Tag: Brienz – Interlaken

Das Frühstück verbrachten wir wieder zusammen mit den Pilgern und halfen ihnen anschliessend noch dabei, ihre Rucksäcke richtig anzupassen. Uns war nämlich aufgefallen, wie schief bei dem älteren Herren der Rucksack gehangen hatte. Sie freuten sich sehr über die Tips und wir verabschiedeten uns voneinander. Vielleicht, meinten sie, würden wir uns ja im nächsten Jahr wieder sehen. Für dieses Jahr war ihr Weg hier zu Ende.

Trotz Regen in der Nacht schaute schon die Sonne raus. Es war dann auch tatsächlich den ganzen Tag schön.

Die Wanderung heute ging ständig auf und ab. Erst viel hoch, dann runter zum nächsten Dorf und wieder von vorn. Also auch recht anstrengend. Gut, dass wir uns das gestern nicht noch angetan haben.

Am Anfang konnte ich nicht so gut laufen. Entweder, weil wir erst um 10 Uhr los kamen, oder weil ich wusste, dies ist der letzte Tag. Überhaupt war ich den ganzen Tag über ganz komisch drauf. Ich hatte irgendwie das Gefühl, ‚umsonst‘ zu laufen, weil es einfach am Abend zu Ende sein würde. Trotzdem freute ich mich auch auf daheim, weil es einiges gab, was mich störte an meiner Ausrüstung und ich das endlich weg haben wollte. Natürlich mit dem Hintergedanken: Sollte ich wieder auf den Weg gehen, dann mit den entsprechenden Verbesserungen.

Lila Pilze – sowas hatte ich zuvor noch nie gesehn!

Auf diesem Weg gab es auch wieder eine Mutprobe für mich: Über einen der Einschnitte am Berg führt eine Hängebrücke aus Metall. Geht man darüber, fängt sie an zu schwingen. Das ist ein so abartiges Gefühl! Dazu kam, dass Didi vor mir ging und es dadurch noch mehr schwankte. Nach den ersten Schritten musste ich erst mal abwarten, bis er drüben war. Und dann gaaaanz langsam Schritt für Schritt rüber. Wenn ich allein gewesen wäre, wäre ich bestimmt umgedreht…

Bald kamen wir in die Vororte von Interlaken. Den ganzen Weg entlang hatten wir schon den Planetenweg begleitet. Hier ist immer wieder ein Planet mit seiner Beschreibung zu sehen. In einem der Vororte war die Sonne als große Kugel aufgestellt und die Entfernung der Planeten entsprach im Maßstab den wirklichen Entfernungen der Planeten.

Die Kirche sah innen ganz urig aus. Als wir dort den Stempel holten, war auch einen Reisegruppe da, die zwar wanderte, aber ohne Gepäck und deren Übernachtung fest gebucht ist. Das sah schon komisch aus, wie der eine 20 Pilgerpässe durchstempelte…Bisschen stillos finde ich diese Art zu pilgern schon, aber manche haben vielleicht auch keine andere Möglichkeit es zu tun.

In Interlaken ging es dann daran eine Unterkunft zu suchen. Die Hotels waren natürlich allesamt zu teuer. Obwohl ich mir geschworen hatte, nie wieder in ein Backpacker zu gehen, schauten wir dann doch hier mal in das hiesige rein. Ich war angenehm überrascht und wir fragten nach Zimmern. Doppelzimmer waren keine mehr frei, aber Mehrbettzimmer. Ausser uns waren noch 3 junge Japanerinnen im Zimmer. Wir legten erst mal ab und machten uns dann auf, Interlaken noch ein bisschen zu erkunden, Mitbringsel zu besorgen und zu schauen, mit was für einem Zug wir heim fahren könnten.

Tageskilometer: 21 km


11. Tag: Lungern – Brienz

Hab ganz schlecht geschlafen, was einerseits am Seidenschlafsack, an einer nervigen Mücke und andrerseits an Didis Schnarchen lag. Außerdem ist Schlafen im Stroh nicht wirklich was für mich. Morgens war es recht kühl und das Stroh ist doch recht hart. Der Seidenschlafsack nerft beim Schlafen, weil er so leicht ist und ich immer Angst habe, dass er zerreisst wenn ich mich umdrehe…

Das Frühstück dort war aber lecker, wir haben uns gut mit der Besitzerin unterhalten und auch einen Stempel haben wir von ihr bekommen.

Am Anfang unserer heutigen Etappe ging es viel bergauf. Der Weg gefiel mir gar nicht, war auch etwas unheimlich, da überall Steinschlagnetze aufgespannt waren – aber erst unten an der Strasse, wir mussten unterm Felsen laufen. Später schnauften immer wieder Langstreckenläufer an uns vorbei, da heute hier ein 50-km-Lauf entlang führte. Ein gutes Stück ging an Gleisen entlang, die wir immer wieder überschreiten mussten. Auch dabei fühlte ich mich nicht so wohl, da die Stellen manchmal nicht gerade übersichtlich waren.

Oben auf dem Pass hatten wir einen schönen Blick auf die Berge.

Bald wurde der Weg angenehmer und mutete fast mystisch an.

Hier trafen wir auch wieder auf unsere 3 Pilger von gestern.

Steil ging es bergab nach Brienzwiler…

…wo wir an einem hübschen Brunnen Rast machten.

Zwischen Hofstetten und Brienz fing es wieder an zu regnen und wir hielten erst mal unter einem Baum an, um den stärksten Guss etwas abzuwarten. Da holten uns die Pilger wieder ein. Sie erzählten uns, dass sie nur bis zur Jugendherberge in Brienz laufen wollten. Mir war das aber eigentlich zu kurz als Etappe für heute und ich äusserte mich noch nicht konkret, ob wir uns anschliessen würden. Mit Didi sprach ich dann noch über die restliche Strecke, und angesichts der Tatsache, dass es bis Interlaken ja auch nicht mehr so sehr weit war und als morgige Etappe grade recht, beschlossen wir, doch auch hier in der Jugendherberge einzukehren.

In der Jugendherberge warteten im Eingangsbereich schon unsere 3 Pilger und noch andere Leute, denn der Empfang war noch nicht besetzt. Nach zwei Stunden kam endlich jemand und wir konnten unser Matratzenlager beziehen.

Während des Abendessens lernten wir die Pilger etwas besser kennen und unterhielten uns über unsere Erfahrungen. Der ältere Herr war schon ein paar Tage unterwegs und hatte das jüngere Paar in der Vergangenheit zum Probepilgern eingeladen. So hatten sie sich auf der Strecke verabredet und waren ein paar Tage zusammen gepilgert.

Tageskilometer: 14 km


10. Tag: St. Niklausen – Lungern

Sehr gut geschlafen und fein gefrühstückt. Sogar ein Vesper wurde uns hergerichtet, für 10 Franken extra.

So zogen wir weiter und sahen uns erst mal die Heimat des Bruder Klaus an, was nicht weit entfernt war.Da ich dort noch einen Multi machte, dauerte das doch eine Weile. Ich fand es aber auch so recht interessant dort.

Bruder Klaus

Mir hat seine Geschichte sehr imponiert und man hat eine Ahnung davon bekommen, wie wichtig den Menschen hier und überhaupt in der Schweiz dieser Heilige ist.

Auf dem „Visionenweg“ ging es hinunter zum See. Die Kirche in Sachseln war – wie konnte es anders sein – Bruder Klaus gewidmet und sehr eindrucksvoll.

Tor der Kirche

Weiter ging es am See entlang, dann über Giswil und den Kaiserstuhl zum nächsten See und nach Lungern. Auf dem Weg dorthin trafen wir immer wieder eine kleine Gruppe von 3 Pilgern. Man überholte sich immer wieder gegenseitig und grüßte freundlich. Sie hatten wie wir in Bethanien übernachtet und ich hatte sie dort auch schon beim Abendessen gesehen. Sie wollten wie wir in Lungern übernachten, aber nicht in der selben Unterkunft, denn wir wollten es mal wieder mit Schlafen im Stroh versuchen. Natürlich mussten wir dazu bis ganz ans andere Ende des Ortes…

Die Leute waren sehr nett und alles sehr schön im ehemaligen Kuhstall hergerichtet. Wir suchten uns eine gemütliche 2-er Koje aus, die eigentlich für Kinder hergerichtet war, aber da keine da waren, nutzten wir sie für uns.

Zum Abendessen im nahegelegenen Gasthof gab es mal wieder Fitness-Schnitzel. Zurück im Stroh stellten wir fest, dass noch zwei andere junge Männer sich einquartiert hatten. Sie kamen aus Israel und fuhren mit den Fahrrädern quer durch Europa. Das Gepäck liessen sie sich von einem Transportdienst jeweils bringen.

Leider war noch recht lange das Licht an, weil wir keinen Lichtschalter gefunden haben, was mein Einschlafen nicht gerade förderte…

Tageskilometer: 24 km


9. Tag: Buochs – St. Niklausen

Nach einer recht angenehmen Nacht gefrühstückt und vom Herrn des Hauses persönlich bedient worden und nett unterhalten. Er geht selber auf die Jagd und hat einen Hund wie unsere Cindy.

Als wir dann loszogen fing es schon an zu regnen. So sollte es dann auch einen guten Teil des Tages bleiben …

In Buochs haben wir noch einen Pilgerstempel in der Kirche abgeholt.

Das Laufen war heute oft bergauf, zwar nicht steil, aber stetig und wieder viel auf Teerstraßen.

Kirche in Stans

Wir waren beide schon früh müde, liefen aber tapfer weiter. Ab und zu rasteten wir, um unsere Füße zu entspannen, aber allzuviel hat es nicht gebracht – immer nur kurz.

Vor Flüeli, das eigentlich unser heutiges Ziel sein sollte, beschlossen wir, im Haus Bethanien nach Betten zu fragen, was sich als sehr gute Entscheidung entpuppte: Schönes Zimmer, bombastische Aussicht, wunderbar leckeres Essen und nette Leute.

Tageskilometer: 21 km


8. Tag: Schwyz – Buochs

Heute sind wir nur schwer aus den Betten gekommen. Da es direkt in der Unterkunft kein Frühstück gab, man aber, wenn es gebucht war, im nahegelegenen Café eines bekommen konnte, begaben wir uns erst einmal dorthin.

Anschliessend ging es nach Brunnen. Wir hatten am Vortag überlegt, eventuell gleich bis dort hin zu laufen, aber es zog sich schon ganz schön, so dass wir froh waren, es nicht umgesetzt zu haben.

In Brunnen wollten wir mit dem Schiff über den Vierwaldstätter See nach Treib fahren. Da wir bis zur Abfahrt aber noch etwas Zeit hatten, aßen wir solang in einem Café Pflaumenkuchen und tranken Schoki dazu. In Treib muss man sich entscheiden, welchen Weg man gehen will. Für den einen Weg hatte ich gelesen sollte man schwindelfrei sein, so fiel der für mich schon mal weg und wir nahmen die Alternativstrecke. Dafür durften wir mit der Zahnradbahn noch ein Stück nach oben fahren.

Der folgende Weg verlief erst lang an der Strasse, dann ging es etwas hügeliger durch den Wald. Die Waldstrecke hat mir sehr gut gefallen. Es regnete den ganzen Tag und wir waren froh, im Wald eine trockene Wanderhütte zu entdecken, in der wir vespern konnten.

In Emmetten goß es in Strömen. Wir suchten Schutz unter dem Vordach einer Kapelle, bis er etwas nachliess. Eigentlich waren wir schon ganz schön fertig, aber hier oben gab es keine günstigen Unterkünfte – wir zogen weiter.

Und nun kam ein Abschnitt, der für mich fast unzumutbar war. Wir stiegen von Emmetten nach Beckenried hinunter. Der Abstieg war wieder recht steil. Und das schlimme war: Man sah direkt runter zur Autobahn die ganz unten vorbei führte! Mir wurde ganz schlecht bei dem Anblick, zumal der Pfad nur ganz schmal war… Wenn Bäume da gewesen wäre, wäre das wohl weniger ein Problem gewesen. So machte ich das Beste draus, stapfte tapfer hinter Didi her, dem das Ganze gar nichts ausmachte, und hielt den Regenponcho immer so hin, dass ich den Abgrund nicht sah. Das klappte auch ganz gut, obwohl mir die Konzentration ganz schön viel Kraft nahm. Konzentration, damit meine Angst nicht überhand nahm. Immer schön auf den Meter vor mir schauen, an nichts anderes denken…

Nach einer – wir es mir schien – Eeeewigkeit, kamen wir endlich unten an.

Unseren Kräften nach hätten wir jetzt eigentlich Feierabend machen sollen, aber wir hatten Schlafen im Stroh in Buochs geplant und wollten das noch erreichen. So stapften wir durch den Regen am See entlang und es war wieder mal weiter, als wir uns gedacht hatten. In Buochs angekommen, hatten wir absolut keine Lust mehr, noch den Hof  mit dem Stroh zu suchen und beschlossen, ein Hotel zu nehmen, wenn es auch teuer war. Dafür war es sehr gemütlich und wir haben vorzüglich gegessen.

Tageskilometer: ca. 24 km


7. Tag: Einsiedeln – Schwyz

Nach dem  Frühstück schauten wir uns noch bisschen das Kloster an. Leider gab es ausser der Basilika (?) nicht viel zu sehen, da grade überall Baustelle ist und es auch noch sehr früh am Morgen war. Die Kirche ist innen absolut pompös. Eigentlich wollte ich ja die Schwarze Madonna sehen, was aber dann nicht ging weil davor gerade ein Gottesdienst stattfand.

Der Weg Richtung Schwyz war zunächst topfeben und gemütlich. Nach Alphtal ging es dann aber krass bergauf, was uns ganz schön gefordert hat. Der Weg war quasi mit dem Bulldozer senkrecht den Berg hoch durch den Wald gepflügt worden…

Nachdem wir den steilen Wald hinter uns gelassen hatten, erreichten wir Almen auf denen Kühe weideten. An der kleinen „Bruustchappeli“ machten wir kurz Rast.

Oben angekommen wurden wir leider nicht durch ein tolles Panorama belohnt, sondern durch dichte Wolkenbänke, die die Umgebung nur erahnen liessen…

Hungrig freuten wir uns über den Gasthof dort oben und bestellten etwas zu Essen. Hier trafen wir auch das eine Pärchen wieder, das wir in Rapperswil schon kennengelernt und gestern auch in Einsiedeln gesehen hatten.

Die Pilgerkapelle davor war noch recht neu aber sehr hübsch mit vielen Kerzen erleuchtet. Wir haben uns dort ins Pilgerbuch eingetragen.

Der Weg nach unten war nicht viel besser als der nach oben. Ständig sehr steil. Man sah auch, dass er erst kürzlich neu mit Kies versorgt worden war, was das Gehen nicht unbedingt angenehmer machte. Vorher muss er aber doch recht ausgewaschen gewesen sein.

Später dann wurde zwar der Weg breiter, aber immer noch sehr abschüssig.

Fast unten begann es dann zu regnen, aber zur Herberge war es nicht mehr weit. Hotel „Hirschen“ Backpacker. War etwas ’spelunkig‘ aber wir hatten das 6-Bett Zimmer zu zweit. Bisschen unheimlich war mir da schon, weil das Klientel dort nicht so ganz mein Fall war. Nach dem Duschen gingen wir früh ins Bett, da wir beide müde waren und ich auch etwas Kopfweh hatte.

Tageskilometer: 21,3 km


6. Tag: Rapperswil – Einsiedeln

Habe die Nacht kaum geschlafen, weil mich mein Schnupfen, der vor ein paar Tagen begonnen hat, so geplagt hat. Dementsprechend schlecht bin ich morgens auch raus gekommen. Hier gab es kein Frühstück inklusive, weswegen wir in einem Café frühstücken. Nebenbei noch ein paar Postkarten nach Hause geschrieben.

Dann ging es los. Erst mal über den hölzernen Damm…

… dann etwas am Ufer des Sees entlang.

Hinter Pfäffikon steil bergauf …

…und weiter an den Hängen des Etzel entlang.

Es war ein sehr schöner Waldweg Richtung Gipfel, solche Wege laufe ich gerne, da macht es mir auch nichts, wenn es anstrengende Steigungen gibt. Zwischendurch rasteten wir auf einem Bänkchen und genossen unser Vesper.

Am Weg waren immer wieder kleine Steinpyramiden aufgebaut, die die Pilger/Wanderer dort zurückgelassen hatten:

Oben angekommen breitete sich eine Hochebene vor uns aus, über die wir dann gemütlich den Rest der Etappe auf einer Straße wandern konnten.

Den Weg säumten immer wieder kleine Pilgerunterstände, in denen teilweise unzählige Kreuze aufgehängt waren.

Im Führer war für die Etappe eine Wanderdauer von 4 Std. 30  angegeben gewesen, wir hatten 6 Stunden dafür gebraucht.

Nachdem wir erst einmal in unserer Unterkunft ausgepackt und geduscht hatten, gingen wir nach Einsiedeln rein zum Abendessen, Besichtigen, bisschen durch die Stadt bummeln und 2 Caches abholen.

Das Kloster…

…und der Brunnen davor.

Ich sah einige Leute darum herumgehen und aus allen kleinen löwenkopfigen Abflüssen des oberen Brunnenteils trinken, angeblich soll das bewirken, dass man ewig jung/gesund bleibt. Wir haben das aber nicht gemacht.

Irgendwie habe ich grade nen Durchhänger und finde alles ganz schön anstrengend … das Laufen und immer eine Unterkunft suchen …

Ich hoffe, das legt sich wieder …

Tageskilometer: 16,3 km